Demo in Bamberg on 17/01/2018

[English below!]

Rote Bänder als Zeichen für die stattfindende Gewalt

Menschen aus dem Abschiebelager Bamberg riefen alle geflüchteten sowie solidarischen Menschen und Organisationen auf, sich mit ihnen auf der Straße gegen das Abschiebesystem auszusprechen. Aktivist*innen aus anderen Abschiebelagern und aus den verschiedensten antirassistischen Gruppen und selbstorganisierten Initiativen schlossen sich lautstark dem Protest an. International Women Space, Internationales Frauencafe, Refugee Struggle For Freedom, Deggendorf Immigrants und viele viele mehr machten gemeinsam die Konsequenzen des Abschiebe- und Lagersystems in verschiedenen Reden sichtbar.

Im Rahmen der Abschlusskundgebung vor dem Bamberger Rathaus, warteten die Protestierenden solange, bis sich der Oberbürgermeister zeigte. Er wurde mit den verheerenden Zuständen konfrontiert. Vor seinen Augen brach eine der Rednerinnen, mit ihrem Kind im Arm, während ihrer Ausführungen zusammen. Ein Krankenwagen musste gerufen werden. Das Kollabieren der Rednerin, ein Zeichen von massivem Stress, ließ den OB dennoch mehr oder weniger unbeeindruckt. Schließlich versprach er nichts weiter als die leere Phrase, dass er mit dem sogenannten Bundesamt für Migration und Flüchtlinge binnen 2 Wochen reden werde. Charmanterweise wurde noch ein Stadtbus (vgl. letztes Bild) bestellt, der die Protestierenden schnell wieder ins Lager abseits der Öffentlichkeit verfrachten sollte. Zurück im Abschiebelager geht die Unterdrückung weiter. Repression bis ins kleinste Detaille; Allen – auch den Kindern – werden die Trillerpfeifen von den Securities abgenommen.

Wieder und wieder werden Protestierende im Sinne der Verantwortungsdiffusion vertröstet. Auch dies muss mit Hinblick auf §63 Abs. 2 des Bundesbeamtengesetzes als Farce betitelt werden. So heißt es “, wenn das aufgetragene Verhalten die Würde des Menschen verletzt”, ist der*die Beamtin zur Niederlegung der Dienstanweisung verpflichtet. Auf den bürokratischen Duktus der Verantwortungsweitergabe, lässt sich hiermit nicht mehr berufen.


Red ribbons point to the violence that is taking place.

 

People from the Bamberg deportation camp called on all refugees, as well as people and organizations that stand in solidarity to take to the streets with them in order to speak out against the deportation system. Activists from other deportation camps and various anti-racist groups and self-organized initiatives joined the protest loudly. International Women Space, International Women’s Cafe, Refugee Struggle for Freedom, Deggendorf Immigrants and many more made the consequences of the deportation and Lager system visible in various speeches.

During the conclusive rally in front of Bamberg’s town hall, the protesters waited until the mayor showed up. He was confronted with the devastating conditions. In front of his eyes, one of the speakers collapsed during her speech with her child in her arms. An ambulance had to be called. The collapse of the speaker, a sign of massive stress, left the OB more or less unaffected. After all, he promised nothing more than the empty phrase that he would talk to the Federal Office for Migration and Refugees (BAMF) within two weeks. Charmingly enough, a city bus was ordered (see last picture), which was to transport the protesters quickly back to the camp, and away from the public. Back in the deportation camp, repression continues. Repression down to the smallest detail; the whistles used on the protest are taken from everybody – including the children – by the securities.

Again and again, protesters are put off and confronted with a diffusion of responsibility. This, too, must be described as a farce with regard to §63 para. 2 of the Federal Civil Servants Act (Bundesbeamtengesetzes). It says “if the behavior ordered violates the dignity of the human being”, the officer is obliged to resign from their official instructions. It is no longer possible to point to the bureaucratic style of responsibility transfer.


Solidarität mit den Protestierenden des Abschiebelagers Bamberg // Solidarity With Protesting People At Deportation Camp Bamberg

(english below)

In Solidarität wird hier das Statement sowie der Aufruf zur Demonstration am 17.01.2018 von “Bamberg Refugees” veröffentlicht:

Demonstration || Mittwoch || 17. Januar 2018 || 12:00 Uhr AEO (Abschiebelager) Bamberg

“Das AEO-Lager in Bamberg (Aufnahmeeinrichtung Oberfranken) ist schlimmer als Gefängnis. Wir, Geflüchtete, die im Lager leben, werden die andauernden Schikanen und die unmenschliche Behandlung nicht länger hinnehmen. Am Mittwoch den 17. Januar 2018 gehen wir raus und tragen unsere Forderungen auf die Straße. Unsere Forderung nach einem Leben in Würde. Wir rufen alle Geflüchteten in der AEO Bamberg, ebenso wie alle Unterstützer*innen, Helferkreise und Organisationen auf, sich unserer friedlichen Demonstration durch die Stadt Bamberg anzuschliessen.”

Mehr Informationen finden Sie unter dem Facebook event:

 

Sowie hier in Ihrem Statement:

Gegen die Unmenschlichkeit! Stoppt das Lagersystem! Wir sind Geflüchtete, keine Gefangene! Against inhumanity! Stop the camp system! We´re refugees, not prisoners!

Wir sind Geflüchtete aus verschiedenen Ländern, die alle vor den gleichen Problemen stehen: Wir leben in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO), dem Lager von Bamberg. Wir haben nach Sicherheit und einem Leben in Frieden gesucht. Aber was wir hier erleben ist kein Leben. Deshalb stehen wir auf und wehren uns – gegen die Unmenschlichkeit und die Schikanen des Bamberger Lagersystems. Am Mittwoch den 17.01.2018 gehen wir raus und tragen unseren Forderungen auf die Straße. Unsere Forderung nach einem Leben in Würde. Wir rufen alle Geflüchteten in der AEO Bamberg, ebenso wie alle Unterstützer*innen, Helferkreise und Organisationen auf, sich dieser friedlichen Demonstration am Mittwoch, 17.01.2018, 12:00 Uhr, AEO Bamberg, (Erlenweg 4, 96050 Bamberg) anzuschliessen.

Unsere Situation ist folgende: Wir kommen traumatisiert und ausgelaugt von unserer langen und gefährlichen Flucht in Bamberg an. Uns wird keine Zeit gegeben um anzukommen, wir werden sofort zu einer Kommission geschickt, um interviewt zu werden. Eine Woche später halten die meisten von uns die Ablehnung ihres Asylantrags in den Händen. Ab diesem Moment ist es, als wären wir inhaftiert. Unsere Ausweispapiere werden uns weggenommen, alles was wir bekommen ist eine Lagerausweis, ausgedruckt auf einem blanken Papier. Sogar unsere deutsche Aufenthaltsgestattungen oder unsere Duldung, bei denen die eine hatten, werden für ungültig erklärt.

Wenn die Entscheidung über unseren Asylantrag negativ ausfällt, bekommen wir kein Geld mehr. Nicht einmal junge Mütter bekommen einen Cent, sie kriegen weder Babynahrung, noch können sie es sich leisten welche zu kaufen. Wir dürfen nicht arbeiten oder Bamberg verlassen. Unsere Kinder können nicht in die Schule gehen, da sie automatisch mit den Eltern abgelehnt werden. Wir dürfen keine Deutschkurse besuchen. Nichtsdestotrotz müssen wir monatelang hier bleiben, manchmal sogar Jahre. Einige von uns sind schon fast zwei Jahre hier. Die Lager-Security schikaniert uns und wendet Gewalt gegen uns an und wir werden von von der Polizei und den Gerichten zu Unrecht beschuldigt. Die Polizei kann jederzeit kommen um unsere Räume durchsuchen, oder um einen von uns abzuschieben. Niemand kann so leben.

Wenn wir von hier fliehen und in ein anderes europäisches Land gehen werden wir in das Lager nach Bamberg zurückgebracht, weil unsere Fingerabdrücke hier liegen und Deutschland darum bittet uns hierher zurückzubringen. Aber wenn Deutschland uns nicht will, dann lasst uns bitte in ein anderes Land gehen, das unsere Rechte anerkennt. Deutschland ist nicht das einzige Land in Europa.

Wir haben genug von diesem Lager. Wir können so nicht weiter leben – nicht einen einzigen Tag. Wir werden behandelt wie Gefangene, nicht wie Flüchtlinge. Das werden wir nicht länger akzeptieren! Wir haben nach Schutz gesucht, aber wir müssen immer noch für unser Recht auf ein Leben in Frieden und Freiheit kämpfen. Es gibt für uns keine Gerechtigkeit – unsere alltäglicher Kampf geht einfach weiter. Wir werden unseren Protest auf die Straße tragen – und wir werden nicht damit aufhören, bis unsere Situation sich geändert hat.

Wir fordern:

  1. Viele von uns haben hier nur den weißen Lagerausweis, keinen deutschen Ausweis. Wir brauchen einen deutschen Ausweis und das Recht zu arbeiten
  2. Bildung ist ein universelles Recht für jedes Kind auf der Welt. Unsere Kinder müssen in die Schule und auch wir Erwachsenen müssen uns weiterbilden dürfen!
  3. Vielen von uns wird die elementare finanzielle Grundsicherung, die von dem deutschen Grundgesetz garantiert wird, verweigert – nicht einmal junge Mütter bekommen einen Cent für Babynahrung. Wir brauchen eine finanzielle Grundsicherung.
  4. Wir bleiben hier für Monate, einige fast zwei Jahre. Wir brauchen Verlegungen! Das AEO-Lager in Bamberg muss geschlossen werden! Kein Lager nirgendwo!
  5. Wir brauchen gute medizinische Versorgung.
  6. Die andauernden Schikanen und die unmenschliche Behandlung von uns Geflüchteten (durch Securities, Polizei und Ämter) müssen aufhören!
  7. Die Frauen brauchen eigene Räume mit Privatsphäre und Sicherheit
  8. Keine Abschiebungen! Nicht nach dem Dublin-Verordnung und auch sonst nirgendwohin!
  9. Schluss mit Rassismus!

Wir werden nicht länger zuschauen, wie wir gejagt, verfolgt, schikaniert und letztlich abgeschoben werden. Wir sind davor geflohen: vor Verfolgung, Folter, Armut und Krieg! Wir gehen nicht zurück! Wir werden für das Recht zu leben kämpfen – und für das Recht, wie Menschen behandelt zu werden. Wir sind hier – und wir werden bleiben!


In Solidarity the statement as well as the call out for demonstration on 17th of Jan. 2018 by “Bamberg Refugees” is published here:

Demonstration || Wednesday|| 17th of January 2018 || 12:00 midday AEO (deportation camp) Bamberg

“The AEO camp in Bamberg is worse than a prison. We, refugees living in the camp, will not take anymore the constant harrassment and inhuman treatment. Our demand is for a life in dignity. On Wednesday 17th January 2018 we are going out and taking our demands on the streets. We are calling for all inhabitants of the AEO Bamberg, as well as groups and individuals to join us in solidarity for this peaceful demonstration through the town of Bamberg.”

More informations you get at Facebook event:

 

As well as in their satement:

Against inhumanity! Stop the camp system! We´re refugees, not prisoners! Gegen die Unmenschlichkeit! Stoppt das Lager System! Wir sind Geflüchtete, keine Gefangene!

We are refugees from different countries, who are all facing the same problems. We are living in the „AEO“ camp in Bamberg. We were searching for protection and a life in peace. But what we are facing is no life at all. This is why we stand up – against the inhumanity and harassment in the Bamberg Lager system. On Wednesday 17th January 2018 we are going out and taking our demands on the streets. Our demand is for a life in dignity. We are calling for all inhabitants of the AEO Bamberg, as well as groups and individuals to join us in solidarity for this peaceful demonstration through the town of Bamberg.

Our situation is this: We arrive in Bamberg traumatised and exhausted of long and dangerous travels. We are given no time arrive, we are immediately sent to a comission to be interviewed. One week later most of us receive a negative decision. From that moment on we are in fact imprisoned. Our documents are taken, all we get is a camp card, printed on a white sheet of paper. Even our German asylum seeker documents or our Duldung, if somebody had those before, are taken away.

After a negative asylum decision, we receive no money any more. Not even young mothers are getting one cent: They get no baby food nor can afford to buy some. We are not allowed to work or to leave Bamberg. Our children do not get access to school or education, because they get a negative decision as soon as their parents do. We are not allowed to study German. Nevertheless we have to stay here for months, even for years. Some are here for 24 months already. The camp security is harassing and using violence against us – and we get charged by the police and courts. The police can come at any moment – to search our rooms or to take one of us for deportation. Nobody can live like this!

When we escape and leave to another country we are brought back to the Bamberg camp, because our finger prints are here and Germany asks to bring us here. But if Germany doesn not want us, then please let us go to another country which repects our rights. Germany is not the only country in Europe!

We are tired of this camp. We cannot live like this – not even one more day. We are treated like prisoners, not like refugees. We will not accept this any longer! We were searching for protection, but we still have to fight for our right to live in peace and freedom. There is no justice to us – our struggle just continues. We will take our protest to the streets – and we will not stop it, until our situation is changed!

We demand:

  1. Many of us are here without any German Ausweis, only the white camp card: We need a German Ausweis and the right to work
  2. Schooling is a universal right of every child in the world: Our children need to go to school – and we adults also need to study
  3. Many of us are denied the basic financial support that is guaranteeed by the German constitution – even young mothers do not get one cent for baby food. We need a basic financial livelihood
  4. We stay here for months, some even 24 months: We need transfers! Shut down the Bamberg AEO-Lager! No Lager nowhere!  
  5. We need proper medical care
  6. The constant harassment and inhuman treatment of us refugees needs to stop (by securities, administration and others)
  7. The women need their own spaces of privacy and safety
  8. No deportations, Dublin or other
  9. Stop racism

We will not watch anymore how we are chased, harassed and finally deported. We escaped from that: persecution, torture, poverty and war. We will not go back. We will fight for that right to live – and to be treated like human beings!

We are here – and we will stay!

Gegen das rassistische Justizsystem! Aufruf zum solidarischen Prozessbesuch // Against the racist judicial system! Call for solidarity at the trial on 09.01.18, 09:30

(English below)

Am Dienstag, den 9. Januar 2018 steht ein Genosse und Freund von uns vor Gericht. Seit mehr als 6 Monaten sitzt er in der JVA Stadelheim in Untersuchungshaft.

Die Bedingungen in Untersuchungshaft sind harsch und unmenschlich: Zwei Mal im Monat jeweils 30 Minuten Besuch. Gäste mussten sich zuvor namentlich bei der Staatsanwaltschaft anmelden und wochenlang auf ihre Besuchserlaubnisse warten. Gespräche durften nur auf Deutsch geführt werden und durften sich nicht auf sein Ermittlungsverfahren beziehen. So war es unmöglich, unserem Freund eine Rechtsberatung zu ermöglichen oder eine unabhängige Anwältin oder Anwalt zu vermitteln.

Gegen ihn läuft ein Verfahren nach dem Betäubungsmittelgesetz. Für uns ist auch so ein Verfahren rassistisch motiviert: Deutschland ist ein Staat, in dem Persons of Color und Schwarze Menschen durch Racial Profiling in einem ständigen Fokus der Polizei sind. In dem Justizsystem werden Menschen, die nicht ausreichend Deutsch sprechen ihre grundlegende Rechte in Haft verwehrt. Gerichtsprozesse haben unterschiedliche Auswirkungen auf Menschen mit und ohne deutsche Staatsangehörigkeit. So können Geflüchtete nach einer Verurteilung ihren Aufenthaltstitel verlieren und sogar abgeschoben werden.

Wir rufen auf, den Prozess am Dienstag, 09.01.2018 solidarisch zu begleiten und kritisch zu beobachten! Die Verhandlung beginnt um 9:30 Uhr am Amtsgericht München – den genauen Ort werden wir am Vorabend bekannt geben. Schaut auf Solidarity and Resistance, schreibt uns bei Twitter oder Facebook.


On Tuesday 9 January 2018, a comrade and friend will stand trial. Since more than 6 months he has been in pre-trial custody (“Untersuchungshaft”) in the JVA Stadelheim.

The conditions in “Untersuchungshaft” are harsh and inhumane: visits are only granted two times a month and for 30 minutes each. Visitors have to register by name with the public prosecutor’s office beforehand and have to wait for weeks for their visit permits. Talks can only be conducted in German, and were not allowed to refer to the ongoing investigation. Hence, it was impossible to provide our friend with legal advice or an independent lawyer.

He is under investigation for an infraction under the Narcotics Act. For us, such a procedure is also motivated by racism: Germany is a state in which persons of color and Black people are in a constant focus of the police through racial profiling. In the judicial system, people who do not speak sufficient German are denied their fundamental rights in custody. Legal proceedings have different effects on people with and without German nationality. In this way, refugees may lose their residence permit after a conviction and may even be deported.

We call for solidarity and critical observation of the trial on Tuesday, 09.01.2018! The trial begins at 9:30 a. m. at the Amtsgericht München – we will announce the exact location on the evening before. Check Solidarity and Resistance, or write us on Twitter or Facebook.

Oury Jalloh – it was murder!

Oury Jalloh was burned alive in a detention cell of the Dessau police department on January 7, 2005. Both accused police officers were acquitted in a first court trial in 2007. In the following appeal case it was insisted on Oury Jalloh igniting himself while being bound to and lying on a fireproof mattress. Independent opinions commissioned by  the Oury Jalloh Initiative proofed this to be a lie: Where did the lighter come from? What are the origins of his many injuries? Why has the smoke alarm been turned off and the intercom been muted? Oury Jalloh became victim of a racist murder!
But Oury Jalloh is no exception. Already in 2012, homeless Mario Bichtemann died in the same police station – also this case was tried to be hushed up. But racism as well as the indifference of the state in view of right-wing terrorism are a daily occurrence in Germany. The right-wing terror organization NSU murdered nine people between 2000 and 2007 – two of them in Munich. The state and the secret service of the interior („Verfassungsschutz“) assisted – through concealment, covering up and lies, the destruction of records and the support of the right-wing by state agents („V-Leute“). What is more, the last years were coined by the strengthening of asylum laws, deportations, so-called integration laws and racist police controls in everyday life. The hatred against Black people, refugees, Jews and Rom*nija is part of German normality.
Fitting to the socially acceptable racism in the interior, Germany and the EU rely on a more and more aggressive sealing-off against the exterior.  Their goal is to stop refugees from African countries  from entering Europe not with the help of Libyan militia cooperating with Germany, but already before by a metres high border wall which is planned to run right through Africa. What it means if refugees are stopped in or sent back to these countries becomes clear by the example of Libya.  People there are sold as slaves and are subject to forced labour. They are threatened by abuse, rape and even death.
But these conditions are far  from new. They are rooted in a world-wide capitalist system, which is secured  via military operations and the extension of border fortifications . Therefore people have been dying for many years – in the Mediterranean or in detention camps, where they are sold as slaves, abused and murdered. If they inspite of all this manage to flee to a European country, they face violence and exclusion. Oury Jalloh and all other victims of racist violence show this clearly.
This is why we take to the streets today – against the racist German conditions in Dessau, Munich and everywhere. Against racist police brutality. For uncovering the truth behind the circumstances of the death of and the cover-up in the case of Oury Jalloh.

07/01/2018: Oury Jalloh – Das war Mord! Stadtrundgang gegen den rassistischen Normalzustand

Oury Jalloh wurde am 7. Januar 2005 in einer Gewahrsamszelle der Polizei Dessau bei lebendigem Leibe verbrannt. Bei einem ersten Prozess im Jahre 2007 wurden die beiden angeklagten Polizeibeamten freigesprochen. Auch im nachfolgenden Revisionsverfahren wurde weiterhin darauf beharrt, Oury Jalloh hätte sich, im gefesselten Zustand auf einer feuerfesten Matratze liegend, selbst angezündet. Unabhängige, von der Initiative Oury Jalloh in Auftrag gegebene Gutachten haben dies längst als Lüge entlarvt: Woher kam das Feuerzeug? Woher kamen seine vielen Verletzungen? Warum wurde der Rauchmelder ausgeschaltet und die Gegensprechanlage leiser gedreht? Oury Jalloh wurde Opfer eines rassistisch motivierten Mordes!
 
Oury Jalloh ist jedoch kein Einzelfall. Schon 2002 starb im selben Polizeirevier der wohnungslose Mario Bichtemann – auch dieser Fall sollte unter den Teppich gekehrt werden. Doch struktureller Rassismus, sowie die Gleichgültigkeit des Staates im Angesicht des rechten Terrors sind in der BRD an der Tagesordnung. So ermordete der rechtsterroristische NSU zwischen 2000 und 2007 neun Menschen – zwei davon in München. Staat und Verfassungsschutz halfen mit – durch Verschweigen, Decken und Lügen, bis hin zum Vernichten von Akten und Unterstützen der rechten Szene durch V-Personen. Hinzu kommt, dass die letzten Jahre von Asylrechtsverschärfungen, Abschiebungen, sogenannten Integrationsgesetzen und rassistischen Kontrollen im alltäglichen Leben geprägt waren. Der Hass gegen Schwarze Menschen, Geflüchtete, jüdische Menschen und Rom*nija gehören zum deutschen Normalzustand.
 
Passend zum gesellschaftsfähigen Rassismus im Inneren, setzen die BRD und die EU auf immer aggressivere Abschottung nach außen. So sollen Geflüchtete aus afrikanischen Ländern nicht erst durch die mit Deutschland kooperierenden libyschen Milizen abgehalten werden nach Europa zu kommen, sondern schon vorher, durch eine meterhohe Grenzmauer, die mitten durch Afrika verlaufen soll. Was es bedeutet, wenn geflüchtete Menschen in diesen Ländern aufgehalten oder dorthin zurückgebracht werden, wird anhand von Libyen deutlich. Dort werden Menschen als Sklav*innen verkauft und müssen Zwangsarbeit leisten. Es drohen ihnen Misshandlungen, Vergewaltigungen und sogar der Tod.
 
Doch diese Zustände sind nicht neu. Sie basieren auf einem weltweiten kapitalistischen System, das durch militärische Einsätze und den Ausbau von Grenzanlagen gesichert wird. Schon seit vielen Jahren sterben deshalb Menschen vor europäischen Grenzen – im Mittelmeer oder in Internierungslagern, wo sie als Sklav*innen verkauft, misshandelt und ermordet werden. Sollten sie es trotzdem schaffen in ein europäisches Land zu fliehen, warten auch hier Gewalt und Ausgrenzung auf sie. Oury Jalloh und all die anderen Opfer rassistischer Gewalt führen dies deutlich vor Augen.
 
Deshalb gehen wir heute auf die Straße – gegen die rassistischen deutschen Zustände in Dessau, München und überall. Gegen rassistische Polizeigewalt. Für die Aufklärung der Todesumstände und der Vertuschung im Fall Oury Jalloh.

Spendenaufruf für den Streik in Deggendorf

„So soll die ganze Welt erfahren, wie Deutschland die Einwander*innen behandelt.“

Am 15. Dezember 2017 sind 209 Menschen aus Sierra Leone im Deggendorfer Abschiebelager in einen „Streik der geschlossenen Türen“ getreten.
Auslöser des Protestes war die gewaltsame Abschiebung eines Mitbewohners am selben Tag, die in letzter Minute am Flughafen gestoppt wurde.

Der Protest richtet sich gegen (Dublin-)Abschiebungen und die rassistischen Zustände im Lager: Aus Protest verweigern die streikenden Kinder und Jugendlichen den Deutschkurs-Besuch, da ihnen der Zugang zu öffentlichen Bildungseinrichtungen verwehrt ist. Die Erwachsenen verlassen die Unterkunft nicht und bestreiken die 80-Cent-Jobs.

Vonseiten der Stadt Deggendorf wird der Protest kleingeredet und lächerlich gemacht, Solidarität zeigen nur wenige Akteur*innen. Nichtsdestotrotz fand am 20. Dezember eine lang angelegte Demonstration der Streikenden durch Deggendorf statt – vorbei an all jenen Behörden, die den Menschen ohne deutsche Staatsbürger*innenschaft das Leben zur Hölle machen.

Nach der Demonstration wird der Streik definitiv weitergehen und dafür werden dringend Spenden und Unterstützung vor Ort benötigt. Bitte schaut vorbei und fragt nach, was ihr tun oder vorbeibringen könnt, und/oder lasst ein paar Euros auf u.g. Spenden-Konto. Jeder Betrag ist ein Zeichen der Solidarität!

Name: refugee strike / GLS Gemeinschaftsbank eG / IBAN: DE97 4306 0967 8211 8888 01 / Stichwort: Solidarität mit Deggendorf…UND INFORMIERT EUCH WEITERHIN AUF…

Homepages: solidarityandresistance.noblogs.org / refugeestruggle.org / nodeportation.net

Facebook: Antira MUC/ NoDeportation.Nowhere / Refugee struggle for freedom

Twitter: @refugeestruggle / @antira_muc / @_nodeportation_

„We are fed up!“ Besuch der 209 Protestierenden in Deggendorf

Als wir die Streikenden im Abschiebelager in Deggendorf besuchen, treffen wir zunächst auf eine schwer erkrankte Mutter, welche nur noch eine begrenzte Lebenserwartung hat. Statt einer adäquaten medizinischen Versorgung hat sie einen Negativ-Bescheid bekommen. Ebenso erzählen zahlreiche andere Personen von verweigerten Operationen. Dabei wurde die Notwendigkeit ärztlich attestiert, das Amt lehnt die Behandlungen dennoch ab. Ein Beweisdokument findet sich anonymisiert weiter unten.

Für Viele dort ein weiteres Problem: Der Zugang zu Bildung. Jedes Kind, das sich länger als drei Monate in Deutschland aufhält ist schulpflichtig. Schulpflicht bedeutet jedoch nicht nur die Pflicht in eine öffentliche Bildungseinrichtung zu gehen, sonder auch das Recht dazu. Dieses Recht wird den Kindern und Jugendlichen im Abschiebelager Deggendorf verwehrt. Im Alter von 6 bis 20 Jahren dürfen sie lediglich einen Deutschkurs besuchen. Erwachsene können nicht mal das: Sie haben weder die Möglichkeit, Deutsch zu lernen, noch dürfen sie arbeiten.

Jede Möglichkeit zur Selbstversorgung wird den Bewohner*innen entzogen. Herdplatten und Kühlschränke sind verboten. Gleichzeitig ist es untersagt, Essen aus der Kantine für Kinder, die auch zwischendurch Hunger haben, mitzunehmen. Dreimal täglich öffnet sie ihre Türen für kurze Zeit. Außerhalb dieser Zeiten ist es Müttern nicht einmal gestattet, Milch zu erhitzen.

Ebenso wie es Essen nur zu eingeschränkten Uhrzeiten gibt, wird auch der Strom aus den Steckdosen nur zu bestimmten Tageszeiten am Wochenende angestellt.

Der Eingang zum Lager ist durch Drehkreuz und Zaun abgeriegelt und wird von einem Sicherheitsdienst überwacht.

Die medizinische Versorgung, der verwehrte Schulbesuch, die Überwachung und entzogene Selbstständigkeit – alle Umstände in dem Abschiebelager sollen den Bewohner*innen klar machen, dass sie nicht erwünscht sind. Und tatsächlich sind Abschiebungen und die Angst davor allgegenwärtig. Uns wird berichtet, dass die Polizei zweimal die Woche kommt und Menschen mitnimmt!

“We are fed up” – we, too!

 

“We are fed up!” Visit of the 209 protesters in Deggendorf

When we visit the strikers in the deportation camp in Deggendorf, we first meet a seriously ill mother, who has only a limited life expectancy. Instead of adequate medical care, she has received a negative decision. Similarly, many other people tell of denied surgeries. The requirement was attested by a doctor, but the authorities have rejected the treatment. An evidence document can be found anonymised below.

For many there another problem is the access to education. Every child living in Germany for more than three months has the duty to attend school. But this means not only the obligation to go to a public educational institution, but also the right to do so. This right is denied to the children and young people in the deportation camp Deggendorf. At the age of 6 to 20 years they are only allowed to attend a German course. Adults can not even do that: they neither have the opportunity to learn German nor are they allowed to work.

Any possibility of self-sufficiency is withdrawn from the residents. Hotplates and refrigerators are prohibited. At the same time, it is forbidden to take food from the canteen for children who are also hungry in between these time. The canteen opens the doors three times a day for a short time. Outside of these times, mothers are not even allowed to heat milk.

Just as food is only available at limited times, electricity from the sockets is only used at certain times of the day during the weekend.

The entrance to the camp is sealed off by a turnstile and fence and is monitored by a security service.

The medical care, the denied school attendance, the monitoring and deprived independence – all circumstances in the deportation camp are to make the inhabitants clear that they are not welcome. And indeed deportations and the fear of it are omnipresent. We are told that the police comes twice a week and takes people with them!

“We are fed up,” – we too!

Solidarität mit dem ‚Streik der geschlossenen Türen‘ von 209 Menschen aus Sierra Leone im Abschiebelager in Deggendorf

Am Freitag, 15. Dezember 2017 sind 209 Menschen aus Sierra Leone in dem Abschiebelager in Deggendorf in einen ‚Streik der geschlossenen Türen‘ getreten. Aus Protest verweigerten die Kinder und Jugendlichen den Schulbesuch bzw. den Besuch des Deutschkurses, da ihnen der Zugang zu öffentlichen Bildungseinrichtungen verwehrt ist. Die erwachsenen Bewohner*innen verließen die Unterkunft nicht und bestreikten die 80 Cent Jobs. Am Samstag, 16. Dezember 2017 begannen sie zudem zusätzlich mit einem Hungerstreik. An dem Protest sind derzeit 44 Kinder und Jugendliche beteiligt, sowie 40 Frauen (davon 12 Schwangere) und 125 Männer. Auslöser des Protestes war die gewaltsame Abschiebung eines Menschen aus Sierra Leone am Freitagmorgen, die in letzter Minute am Flughafen gestoppt wurde.

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Statement der Streikenden aus Deggendorf

Wir sind Menschen aus Sierra Leone, die hier in Deutschland Schutz suchen, wurden aber enttäuscht statt beschützt. Und wir haben beschlossen, aus folgenden Gründen zu handeln:
Jede*r Asylbewerber*in aus Sierra Leone in Deggendorf hat negative Ergebnisse erhalten in Form von:

1. Dublin-Abschiebung
2. Ablehnung des Asylantrages
3. Ablehnung mit „offensichtlich unbegründet“

– Der nächste Punkt ist, dass wir jetzt in dem Camp für 2 Jahre statt 6 Monate bleiben müssen, ohne Schulbildung und ohne Arbeitserlaubnis.

– Sehr schlechte Unterkunftsmöglichkeiten mit 8 Personen in einem Zimmer mit schlechter Hygiene und Toiletten.

– Sehr schlechte Qualität der Nahrung.

– Abschiebung nach Italien mit schwerer Folter und ohne angemessene Vorkehrungen für die Unterbringung der Einwanderer in Italien, wodurch die Einwanderer auf der Straße leiden.

– Erzwungene Abschiebung von Schwangeren, Kindern, kranken Menschen und stillenden Müttern.

– Keine Medikamente für Einwanderer mit speziellen Krankheiten.

– Und jetzt wurde uns mitgeteilt, dass dies ein privates Lager ist und keine Journalisten zugelassen sind.

Aus diesen Gründen haben wir am 15. Dezember 2017 einen Streik der geschlossenen Türen (‚closed door strike‘) begonnen: Wir sind nicht in die Schule gegangen und morgen, am Samstag 16. Dezember und am Sonntag, 17. Dezember treten wir in den Hungerstreik. Am Montag werden wir zum Stadtrat gehen, um die Möglichkeit zu bekommen, einen friedlichen Protest in Deggendorf zu organisieren, mit Fortführung des Schul- und Hungerstreiks. So soll die ganze Welt erfahren, wie Deutschland die Einwanderer behandelt.

Solidarity with the ‘strike of closed doors’ of 209 people from Sierra Leone in the transit camp Deggendorf

On Friday, 15th of December 2017, 209 people from Sierra Leone in the transit camp in Deggendorf started a ‘strike of closed doors’. In protest, the children and young people refused to attend the German class as access to other educational institutions is denied. The adults haven’t left the accommodation and denied to work in the 80 cents jobs. On Saturday, 16th of December 2017 they started a hunger strike. The protest involves 44 children and young people, as well as 40 women (among them 12 pregnant women) and 125 men. The starting point of the protest was the violent deportation of a man from Sierra Leone on Friday morning, which was stopped in the last minute at the airport.

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Statement of striking refugees in Deggendorf

We are Sierra Leoneans seeking for protection here in Germany but have been frustrated instead of protected. And we have resolved to strike action based on the following reasons:

Every Asylum seeker from Sierra Leone in Deggendorf gets always negative results in the form of :

1. Dublin deportation
2. Rejection of asylum application
3. Asylum application is ‘invalid’

– The next point is that we now stay in a camp for 2 years instead of the initial 6 months, with no schooling, no work permit.

– Very poor accommodation facilities with 8 occupants in a room, with poor hygiene and toilet facilities.

– Very poor quality of food.

– Deportation to Italy with serious torture and no proper arrangements for reinstatement of the immigrants in Italy thereby leaving the immigrants on the street suffering.

– Forceful deportation of pregnant women, children, sick people and sucking mothers.

– No medication for immigrants for certain sickness.
And now established to us that this is a private camp and cannot allow any journalists.

On this basis we have started on 15th December 2017 a close door strike with no schooling and on Saturday 16th December and Sunday 17th December hunger strike and on Monday, we will be going to city council to get clearances to have a peaceful protest accross Deggendorf with continuation of no schooling and hunger strike.
This is to let the whole world know how Germany is treating the immigrants.