Schlachten beenden heißt Solidarität global denken

Das Beenden von Schlachten bedeutet deutlich weniger Land Grabbing, weniger Dumpinglöhne für Arbeiter*innen, weniger Wasserverbrauch, weniger Billigst-Export durch Massentierhaltung, der die lokalen Märkte zerstört, sowie weniger Bodenverunreinigung. Denn:

Der Ressourcenverbrauch für die Fleischproduktion ist enorm. Es bedarf 12kg Soja als Futter, um 1kg Fleisch zu generieren. 1kg Rindfleisch sind rund 15.500 Liter Wasser. 1 Kilogramm Kohl benötigt im Gegensatz dazu nur rund 200 Liter Wasser.

Land Grabbing ist nicht nur Raub von Land, sondern geht auch einher mit Rodung von Wäldern, Aufbrauchen knapper Wasserressourcen und einer Einschränkung von Frauen*rechten. Viele weiblich gelesene Personen erledigen den Haushalt und versorgen ihre Familie mittels Subsistenzwirtschaft, welche wegfällt, wenn ihnen ihr Land genommen wird. Durch die Entziehung ihrer Lebensgrundlage verlieren Frauen* ihre (partielle) Unabhängigkeit. Sobald die Monokulturen der Großkonzerne aus China, Südkorea, Golfstaaten, Japan, USA oder Europa entstehen, werden vor allem die männlich gelesenen Menschen vor Ort zu schlechtesten Arbeitsbedingungen auf die Felder geholt. Frauen* sind dadurch erneut von Männern*abhängig. Die massenhafte Fleischproduktion in den Industriestaaten beruht auf massivem Futtermittelanbau im Globalen Süden, dieser beruht auf massenhafter Ausbeutung, welche sich auch auf Rassismus, Sexismus und Klassismus stützt. Besonders betroffen von dem Landraub sind daher Menschen in Angola, Äthiopien, Indonesien, Kambodscha, Kenia, Kongo, Laos, Madagaskar, Mali, Mongolei, Mosambik, Sambia, (Süd-) Sudan, Tansania, Uganda und die Philippinen sowie Myanmar. Vergleichbares ist aber auch in Brasilien, Kolumbien, Rumänien, Russland und in der Ukraine zu beobachten.

Nicht nur weit entfernt, auch in unmittelbarer Nähe ist die Schlachtindustrie Mitverursacher*in von Problemen. EU-Migrant*innen werden beispielsweise bei PHW (bekannt unter Wiesenhof) mittels Unterfirmenverträgen unter Mindestlohn dort angestellt, wo sich die Hände noch blutig gemacht werden müssen. Vorwiegend Männer* in der Schlachtung, Frauen* in der Verpackung. Mit falschen Versprechungen werden Menschen aus Rumänien, Bulgarien und Polen nach Deutschland gelockt. Hier erwarten sie unbezahlte Überstunden und Dumpinglöhne. Auf Grund der schlechten Entlohnung und des rassistischen Wohnungsmarktes müssen die Arbeiter*innen meist in Schichtbetten in Lagern und Containern, oder in besonders beschissenen Umständen, im Wald übernachten.

Im Rahmen der G20 Afrika-Europa-Partnerschaftskonferenz wurde die weitere Destabilisierung der lokalen Märke in z.B. Mali oder Senegal durch Billigfleisch-Import aus der EU beschlossen. Lokale Kleinbäuer*innen können nicht mit der besonders günstigen Massenware mithalten. Existenzen gehen so zu Grunde. Das also versteht sich unter der sogenannten „Entwicklungshilfe“ und „Bekämpfung von Fluchtursachen“. Wir nennen es postkoloniale Rhetorik.

Die globalen Verstrickungen sind enorm. Ein in Deutschland geschlachtetes Huhn, ist weitaus mehr als die Schlachtung dieses Tieres. In einer weltweiten Verschränkung von Unterdrückung, ist es entscheidend Kämpfe zusammenzudenken und sich solidarisch zu unterstützen, anstatt sich in Partikularinteressen zu vereinzeln. Der Kampf gegen Mastanlagen und Schlachtfabriken ist mehr als die Befreiung von Tieren. Im Kampf gegen industrielle Tierausbeutung wird für globale Gerechtigkeit und eine andere Welt gekämpft.

Schlachten beenden heißt Solidarität global denken.

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